Glaubensimpuls

Liebe Pfarreiangehörige

Wir möchten auch dieses Jahr während der Fastenzeit mit Ihnen den Weg auf Ostern hin gehen. Wir laden Sie dafür herzlich zu unseren Gottesdiensten ein. Zusätzlich dazu haben wir uns in den vergangenen Jahren auch am Mittwochabend zu einem Glaubensimpuls getroffen. Das ist im Moment nicht sinnvoll. Wir platzieren daher jeden Mittwoch eine Botschaft hier auf unserer Homepage, die Sie während der Woche lesen, hören oder anschauen können. Wir freuen uns, mit Ihnen trotz der Einschränkungen verbunden zu sein, und wünschen Ihnen eine gesegnete Fastenzeit.

P. Basil und das Seelsorgeteam

7. Glaubensimpuls - Mittwoch der Karwoche

Und wenn du der einzige Mensch auf der Welt wärst, wäre Jesus ans Kreuz gegangen und für dich gestorben. Aus Liebe. Damit du das ewige Leben hast.

Jesus ist ans Kreuz gegangen, damit wir alle das ewige Leben haben. Können wir das annehmen? Was löst das in uns aus? Das Gefühl, es nicht verdient zu haben? Das Gefühl, es doch auch allein aus eigener Kraft zu schaffen? Was ist, wenn wir diese erste innere Reaktion bei Seite schieben? Kommt dann vielleicht Dankbarkeit hoch? Oder Traurigkeit? Oder tiefe Freude?

Am Ostermontag hören wir das Evangelium von den Emmaus-Jüngern.
Zwei Jünger sind nach dem Tod Jesu unterwegs. Sie sind traurig. Es ist ja alles irgendwie zerplatzt. Jesus, auf den sie alles gesetzt hatten, ist tot. Er ist diesen grausamen Tod am Kreuz gestorben. Da gibt es nicht viel schön zu reden. Und dann kommt Jesus zu ihnen, aber sie erkennen ihn gar nicht. Er lässt sie zuerst erzählen. Dann erklärt er ihnen einiges – bei Moses und den Propheten fängt er an. Das heisst, er erklärt ihnen ziemlich viel. Erst als er mit ihnen am Tisch sitzt, vor dem Essen betet und ihnen das Brot gibt, wissen sie auf einmal, dass es Jesus ist.

Geht es uns nicht manchmal auch so? Wir sind in einer schwierigen Situation. Und wenn wir dann Jesus hinzunehmen, ihn zu uns an den Tisch oder, wo immer wir sind, einladen, dann ändert sich auf einmal die Perspektive. Manchmal dauert das eine Weile, bis wir von unserem Standpunkt wegkommen und ihn erklären lassen. Und dann scheint auf einmal das Morgenrot des Osterfestes hinter allem auf.

Es gibt nicht nur den grossen Kreuzweg und das grosse Ostern. Es gibt viele kleine Kreuzwege und kleine Ostern in unserem Leben. Lassen wir zu, dass Jesus uns, unsere Situation, verwandeln kann? Jesus hat uns nicht versprochen, uns den Weg zu ebnen, er hat uns versprochen, immer bei uns zu bleiben. Und dieses Versprechen hält er. Ganz sicher. Jetzt kommt es darauf an, was wir daraus machen.
 













 

6. Glaubensimpuls - Mittwoch der 5. Fastenwoche

Wir begleiten Jesus in diesen Tagen auf dem letzten Abschnitt seines Lebensweges. Er ist am Palmsonntag geprägt von zwei Symbolen: den Olivenzweigen und einem jungen Esel. Eine seltsame Kombination, die uns aber hinweisen will auf den grossen Zwiespalt der Gefühle im Ablauf der kommenden Tage.
Jesus reitet vom Ölberg her in die Stadt Jerusalem. Es ist anzunehmen, dass die grünen Zweige, die die Menschen vor Jesus auf den Weg streuen, Olivenzweige sind. Der Olivenzweig ist seit alters her das Symbol der Freude, des Sieges aber auch des Friedens. Und so jubeln die Menschen dem Messiaskönig mit diesen Siegeszweigen zu, als er festlich in «seine» Stadt Jerusalem einzieht. Im Gegensatz zu einem üblichen Siegeszug sitzt dieser König aber nicht hoch zu Ross, sondern auf einem Esel. Dieser ist das Transportmittel des einfachen Mannes und oft grau gefärbt, so wie der Alltag dieser Menschen. Damit wird die Gegensätzlichkeit im letzten Lebensabschnitt Jesu deutlich gemacht. Denn wie Menschen ihm das ‘Hosianna’ zurufen, schreien Menschen ihm wenige Tage später das ‘Kreuzige ihn’ ins Gesicht. Doch Jesus geht diesen Weg, weil er weiss, dass er ihn gehen muss, um sich und seiner Botschaft treu zu bleiben. Und Jesus geht diesen Weg, weil er ihn nicht für sich selbst geht:

Demütig auf einem Esel zieht er ein,
nicht als Herrscher, sondern er macht sich klein.

Voller Demut und Sanftmut begegnet er den Menschen hier.
Siehe, dein König kommt zu dir.

Er macht den ersten Schritt,
ja er hat dich zuerst geliebt.

Er kommt, weil du ihm wichtig und wertvoll bist,
er kommt, weil er dich nicht vergisst.

Er ist dein König und er will dir begegnen,
bist du bereit ihm den Weg zu ebnen?

Ihn zu empfangen in deinem Herzen
und ihm zu bringen deine Schmerzen.

Deine Sehnsucht bei ihm zu stillen
und Veränderung zu erleben in deinem Innern.

Am Kreuz hat er alles für dich gegeben,
damit du die Freiheit kannst erleben.

Der Preis für Sünde und Tod ist bezahlt,
das Licht der Auferstehung für dich erstrahlt.

Kannst du den Weg seiner Liebe erkennen
und Jesus als deinen Retter bekennen?

Er bringt dir Erlösung aus all deiner Not,
seine Liebe ist stärker als der Tod.

Siehe, erkenne, empfange und juble ihm zu,
derjenige, zu dem der König kommt, bist DU.

Ulrike Nägele














 

5. Glaubensimpuls – Mittwoch der 4. Fastenwoche

Warum nicht mal anders?

Ein Bekannter, nennen wir ihn Michael, erzählte mir, dass er mit seiner Freundin Nina, für die Fastenzeit einen Deal abgemacht hätte. Sie beide wollten während der 40 Tage auf etwas Bestimmtes verzichten, aber dem anderen gegenüber nicht verraten, worin ihr persönliches Fastenopfer bestand.
Das Verblüffende daran war, dass Nina überhaupt keine Mässigung bei ihrem Freund beobachten konnte. Kein einziges Anzeichen! Michael verzichtete weder auf Süssigkeiten, noch auf Fleisch, Alkohol, er schaute weiterhin seine Abendsendungen und rauchte seine Zigaretten. Er genoss sein Leben in allen Zügen – fast noch mehr als sonst.

Gleichzeitig realisierte sie aber, dass sie schon lange nicht mehr eine solch harmonische Zeit verbracht hatten, wie während dieser Fastentage.
Endlich kam die Osternacht und Nina konnte es kaum erwarten, dass Michael sein grosses Geheimnis lüftete.
«Ganz einfach», sagte er, «ich habe mir bewusst vorgenommen, dich in diesen 40 Tagen nicht zu kritisieren!»

Durch dieses Experiment realisierten die beiden, dass es viel schöner war, einander das Gute und Schöne zu sagen, als ständig zu kritisieren. Nein, sie zogen sich nicht eine rosarote Brille an, um das Unschöne zu übersehen. Doch verspürten sie immer mehr den Wunsch, einander auch nach Ostern viel mehr zu danken und zu wertschätzen.

Idee aus «mission possible» von Otto Neubauer













 

4. Glaubensimpuls – Mittwoch der 3. Fastenwoche

Der erste Schritt: aus Gnade

«Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft - Gott hat es geschenkt -, nicht aus Werken, damit keiner sich rühmen kann.» (Eph 2,8-9)
In der Fastenzeit werden wir immer wieder mit Begriffen konfrontiert, wie: Busse tun, umkehren, fasten, Verzicht, Werke der Liebe.
In der Tat ist die Fastenzeit dazu da, dass wir uns vermehrt und bewusster Gott zuwenden, und die oben genannten Verhaltensweisen helfen uns dazu massgeblich.

Wenn wir das Ziel der Fastenzeit nicht verfehlen wollen, dürfen wir aber nicht vergessen, dass wir uns durch all unsere Bemühungen die Erlösung nicht verdienen können. Wir können uns den Himmel nicht kaufen. Aus Gnade sind wir gerettet, sagt uns Paulus. Jesus hat uns durch sein Leiden, sein Sterben und seine Auferstehung schon erlöst. Wir gehören IHM schon, wir sind schon SEINE Kinder, wir sind schon gerettet. Deshalb dürfen unsere Bemühungen um Umkehr, um Werke der Liebe und um Busse niemals zu einem Leistungskatalog werden. Das Leben mit Gott ist nicht ein Fitnessstudio, in dem verschiedene Übungen gemacht werden müssen, um sich einen muskulösen Körper zu verdienen.

Bei Gott gilt vielmehr: ER hat den ersten Schritt gemacht und uns aus Gnade die Erlösung geschenkt. ER hat uns zuerst geliebt und uns SEINEN Sohn geschenkt. Aus dieser Perspektive werden all unsere Bemühungen um eine fruchtbare Fastenzeit genau wie alle anderen Bemühungen um ein gutes christliches Leben nicht zu Pflichtübungen, die wir Gott vorweisen müssen, sondern zu Antworten auf SEINE Erlösung. Aus Gnade sind wir gerettet. In der Liebe hat uns Gott als SEINE Kinder angenommen. Wir brauchen nur die Hände auszustrecken und dieses grossartige Geschenk entgegenzunehmen. Und dann wird in unserem Herzen die Sehnsucht wachsen, IHM möglichst viel von unserem Leben zu schenken. Je mehr wir verstehen, was ER uns alles geschenkt hat, desto mehr wird unser Herz IHM alles schenken wollen. Damit werden all unsere Bemühungen der Fastenzeit zu einem geistlichen Blumenstrauss zusammengebunden, die wir IHM schenken dürfen, um IHM zu zeigen, dass wir IHN auch lieben.













 

3. Glaubensimpuls - Mittwoch der 2. Fastenwoche

Aufgefangen
Ich wurde zu einer Vorstellung im Zirkus eingeladen. Ich werde nie vergessen, wie hingerissen ich war, als ich das erste Mal die Trapezkünstler durch die Luft fliegen sah, wie sie sich gegenseitig in waghalsig eleganten Schwüngen wie Tänzer losliessen und wieder auffingen. Am nächsten Tag ging ich wieder zum Zirkus, um sie noch einmal zu sehen. Ich stellte mich ihnen vor und sagte, ich sei ein grosser Fan von ihnen. Sie luden mich ein, sie eine Woche lang zu begleiten. Das tat ich, und wir wurden gute Freunde.
Mit dem Leiter der Gruppe unterhielt ich mich übers Fliegen durch die Luft. Er sagte: «Als Luftspringer muss ich absolutes Vertrauen auf den haben, der mich auffängt. Sie und das Publikum halten vielleicht mich für den grossen Star am Trapez, aber der wirkliche Star ist der Fänger. Er muss für mich im Bruchteil einer Sekunde parat sein und mich aus der Luft angeln, wenn ich in hohem Bogen auf ihn zufliege.»
«Wie klappt das immer?», fragte ich zurück. «Nun», sagte er, «das Geheimnis besteht darin, dass der Flieger nichts tut und der Fänger alles. Wenn ich fliege, muss ich bloss meine Arme und Hände ausstrecken und darauf warten, dass ich aufgefangen werde.»
«Und Sie tun dabei nichts?», erwiderte ich ziemlich überrascht. «Nein, gar nichts», wiederholte er. «Das Schlimmste, was der Flieger tun kann, ist nach dem Fänger greifen zu wollen. Aber ich soll ja nicht den Fänger auffangen, sondern er mich. Würde ich nach seinen Handgelenken greifen, könnte ich sie brechen, oder er könnte die meinen brechen, und das wäre für uns beide das Aus. Ein Flieger soll nichts als Fliegen, ein Fänger nichts als Auffangen; und der Flieger muss mit ausgestreckten Armen völlig darauf vertrauen, dass sein Fänger im richtigen Augenblick nach ihm greift.»
Als mir dies mit so grosser Überzeugung gesagt wurde, fielen mir die Worte ein: «Hab keine Angst. Denk daran, du bist Gottes geliebtes Kind. Versuche nicht, nach ihm zu greifen, denn er greift nach dir. Streck einfach die Arme und Hände weit nach ihm aus und vertraue, vertraue, vertraue.»

Verfasser unbekannt
 














 

2. Glaubensimpuls - Mittwoch der 1. Fastenwoche

«Kehr um, sonst spielt sich alles hinter Deinem Rücken ab!»
Martin Gutl, Priester und Buchautor, + 1994)

Die Fastenzeit erinnert uns als Zeit der Umkehr neue Wege zu wagen. Du kennst gewiss die Nachricht aus dem Navigationssystem: «Wenn möglich, bitte wenden!» Diese Nachricht ertönt, wenn du dich nicht mehr auf dem Weg befindest, welcher dich an das gewünschte Ziel bringen soll.

«Wenn NÖTIG, bitte wenden!» darfst du dir selber in den kommenden Tagen immer wieder sagen. Denn dich deinem Partner, deinen Kindern, deinem Mitmenschen und deinem Gott immer mehr zuzuwenden, ist ein Sinn dieser Tage.

Lebe heute ganz bewusst gelebte ZUWENDUNG. Denn das bedeutet es auch «umzukehren und zu wenden».













 

1. Glaubensimpuls - Aschermittwoch

Am Aschermittwoch beginnen wir die Fastenzeit oder österliche Busszeit, wie sie seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil auch heisst. Das Wort ‚Busse‘ hat für viele von uns einen schalen Beigeschmack. Wir denken an den Strafzettel, der unter dem Scheibenwischer klemmt, wenn wir falsch oder zu lange parkiert haben. Busse so verstanden macht uns auf eine Fehlhaltung aufmerksam und präsentiert uns die - meist finanziellen - Konsequenzen.
Die Fastenzeit, in die wir am Aschermittwoch eintreten, heisst auch ‚österliche Busszeit‘. Das könnte man als inneren Widerspruch verstehen. Ostern hat mit Erlösung, Auferstehung, Freude zu tun. Wie soll denn das mit Busse zusammengehen? Ein religiöser Schriftsteller aus den ersten Jahrhunderten des Christentums - Johannes Cassianus - kann uns da weiterhelfen. Er schreibt: "Wir tun Busse, um Liebende zu werden." Er versteht Busse also nicht als Strafe, sondern als eine Art Heilungsvorgang, der unser Herz weiten und stärken kann.

Blick nach innen
In der Fasten- und Busszeit versuchen wir darum, unseren Blick vom mehr Äusserlichen auf das Innere, auf unser Herz als Zentrum unserer menschlichen Kräfte zu lenken. Im Evangelium vom Aschermittwoch ermutigt uns Jesus dazu: ‚Wenn du betest, geh in deine Kammer und schliess die Tür zu... Wenn du fastest, salbe dein Haar und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest. Dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.‘
Dieser Blick auf unser Inneres schenkt uns nicht auf Anhieb tiefere Liebe und inneren Frieden, wie es die Worte Jesu vermuten lassen. Er deckt auch manches Gerümpel auf, das sich in unserem Herzen abgelagert hat. Es ist eine Herausforderung, uns ans Aus- und Aufräumen zu machen. Hier kommt der anspruchsvolle Aspekt der Busse zum Vorschein. Liebende zu werden ist keine Sache für Schwärmer, es bedeutet auch Arbeit und Durchhalten. Wiederum ist es Jesus, der uns dazu Mut macht. Er selbst ist ein Liebender geworden und hat sich durch das Leiden am Kreuz, welches die Konsequenz daraus war, nicht von dieser Liebe abbringen lassen. So fand er zur Erfahrung von Ostern.

Verbindungen wiederherstellen
Das niederländische Wort für «Busse» kommt angeblich von «butten». Dieses Wort stammt aus der Fischersprache. Wenn die Löcher im Netz zu gross geworden sind, müssen diese ausgebessert, geflickt, die Verstrebungen wieder miteinander verknüpft werden. Das nennt man «butten». Im übertragenen Sinn steht dieses Wort für Busse. Ich bin auf vielerlei Weise verknüpft in Beziehungen mit anderen Menschen – in Familie, Verwandtschaft, Schule und Arbeitsplatz; mit Nachbarn und Freunden; im Verein oder in der Pfarrei – vergleichbar mit einem grossen Netz.
Da gibt es auch kleinere und grössere Löcher: abgebrochene, zerrissene, abgestorbene Beziehungen zu Mitmenschen – zu Gott. Könnte da nicht manches wieder ausgebessert, geflickt, neu verknüpft werden? Das bewusste Gespräch mit dem Ehepartner; sich Zeit nehmen für die Kinder; ein Lächeln für jemanden, an dem ich sonst nur vorübergehe; ein freundlicher Ton bei der Arbeit; etwas mehr Geduld mit dem Nachbarn; ein Dank an Gott: das wären Möglichkeiten.

Ostern scheint auf
Liebende zu werden ist keine Sache für Schwärmer, es bedeutet Arbeit und Durchhalten. Aber wenn wir uns daran machen, kann bereits etwas von Ostern aufscheinen und die Fastenzeit zu einer positiven, österlichen Busszeit werden lassen. Jesus macht uns dazu Mut.
Der dänische Philosoph Sören Kierkegaard hat geschrieben: "Es gibt zwei Arten von Christen: den Nachfolger Jesu - und die billigere Ausgabe desselben: den Bewunderer Jesu." Die Fastenzeit stellt uns die Frage: ‚Zu welcher Gruppe willst du gehören?‘
















 

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