Firmreise nach Albanien und Montenegro

Unsere diesjährige Firmreise führte uns nach Albanien und Montenegro. Im Vorfeld wurden bereits viele Vorurteile geäußert. "Was? Ihr geht nach Albanien! Was wollt ihr dort? Ist das euer Ernst?" waren nur einige der Reaktionen und wohl auch der Grund, dass sich nicht viele Firmanden getrauten, sich auf diese Erfahrung einzulassen. Obwohl die Meisten weder Land noch Leute kennen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man Albanien noch immer mehrheitlich mit negativen Assoziationen verbindet, leider und auch zu unrecht. Mafia, Blutrache, Kanun, Korruption, Flüchtlinge, Rückständigkeit, Armut, traditionelle Rollenbilder mögen da teilweise noch vorhanden sein, jedoch ist Albanien ein aufstrebendes Land. 50 Jahre Diktatur unter Enver Hoxha, fürchterliche Gräueltaten, Verfolgungen, Folterungen, Arbeitslager sind nicht spurlos an den Menschen vorbei gegangen. Die Wirtschaft und der Tourismus entwickeln sich positiv und verzeichnen einen erfreulichen Aufschwung. Die Albaner sind äußerst Gastfreundlich, hilfsbereit und sehr offen. Im Kleinen leben sie vor, wie ein solidarisches und rücksichtsvolles miteinander aussehen könnte. Die drei großen Religionen (Muslime, Orthodoxe, Christen) besuchen sich gegenseitig und haben einen runden Tisch, an dem Probleme sofort offen angesprochen und ausdiskutiert werden. Die Zeiten des Kommunismus hat sie geprägt und nie wieder soll so etwas Grauenhaftes passieren. Viele schöne, reiche und tiefe Erfahrungen und Erlebnisse durften wir auf dieser Reise machen. Jedoch haben wir auch viel Trauriges, Erschütterndes und Unvorstellbares gesehen und gehört, dazu gehören die Gefängniszellen der inhaftierten Menschen, die systematischen Verfolgungen der Christen und der Besuch in einem Heim für schwerstbehinderte Menschen, welche nicht adäquat gefördert werden können. Reich beschenkt sind wir nach Hause gekehrt, demütig vor den Schicksalen der Menschen in Albanien und mit vielen Erfahrungen und Erlebnissen in unseren Herzen.

Die nachfolgenden Berichte sollen einen kleinen Einblick in unsere Reise geben.

Sonntag, 28. April 2019: Unsere Firmreise nach Albanien und Montenegro startete um 09.00 beim Check-in der Montenegro Airlines. Um 11.00 sind wir in Zürich abgeflogen, um 12.30 hatten wir bereits wieder sicheren Boden unter den Füssen. Unser erstes Ausflugsziel war Niagara, da gab es schöne und imposante Wasserfälle zu sehen. In Shkodër wohin uns unsere Reise führte, befindet sich das historische Zentrum der katholischen Kirchen Albaniens. In der Stadt leben jedoch auch viele Muslime und Orthodoxe und so prägen die Kirchen dieser drei Religionen auch das Stadtbild. Die Burg Rozafa war dann unser nächstes Ziel. Eine Burgruine am südlichen Rand der nordalbanischen Stadt Shkodër. Sie stammt aus dem 4. Jahrhundert und bot einen fantastischen Ausblick auf den Skadersee und die umliegenden Berge. Der Abschluss des heutigen Tages bildete der Besuch der schönen Marienkirche und der Besuch der Altstadt von Shkodër. Wir bummelten durch die Fußgängerzone der Altstadt, da lag unsere Unterkunft, im Hause Madonnina del Grappa. Fabrizio war unser charmanter Gastgeber. Er verwöhnte uns mit einem herrlichen und sehr feinen Abendessen. Danach gingen wir bereits schlafen.

Montag, 29. April: Die Woche begannen wir mit einem ausgiebigen Frühstück. Die Gastfreundschaft in Albanien ist sehr beeindruckend. Shkodër, die älteste Stadt Albaniens, hat heute einen entspannten Zugang zu den Religionen – und ist ein bemerkenswertes Vorbild. Im Kommunismus war dies anders. Enver Hoxha rief 1967 den weltweit ersten atheistischen Staat aus. Er liess alle Kirchen und Moscheen zerstören und verfolgte Geistliche, liess sie foltern und schickte sie in Arbeitslager. Shkodër traf es besonders schwer, davon zeugt das neu eröffnete Site of Witness and Memory Museum an jenem Ort, an dem die ehemalige Geheimpolizei Sigurimi ihr Gefängnis hatte. Die Gotteshäuser sind heute neu aufgebaut worden. Die grösste Moschee von Shkodër, welche für 1300 Gläubige Platz bietet, steht nahe bei der Franziskanerkirche. Es genügt die Schuhe auszuziehen, dann steht man auch schon auf dem weichen hellblauen Teppich unter der großen Kuppel. Ein Timer zeigt die Gebetszeiten auf, wann die Muslime aufgerufen werden zu beten. Im Übrigen wird das in einem mehrheitlich muslimischen Land, von einem Muezzin von einem Minarett ausgerufen. Über die Vergangenheit Albaniens wurden wir in einem kleinem historischen Museum informiert. In einem weiteren Museumsbesuch, Museum der Erinnerung, erfuhren wir mehr über die schwere Zeit der Diktatur, die 50 Jahre über Albanien herrschte. In dieser Schreckensherrschaft unter dem Diktator Enver Hoxha passierten von grauenhaften Folterungen bis zu Verfolgungen von Christen nicht nachvollziehbare Gräueltaten. Im damaligen Gefängnis wurden Menschen wegen ihrer politischen oder religiösen Gesinnung gefangen gehalten und getötet. Viele Glaubensträger, vorwiegend Christen, wurden in dieser Zeit hingerichtet. Während der Diktatur waren alle Religionen verboten und konnten nur heimlich praktiziert werden. Den Mittag verbrachten wir individuell, da wir all das Gesehene zuerst verarbeiten mussten. Am Nachmittag machten wir uns auf den Weg zum Franziskanerorden. Eine Ordensfrau der Stigmatinerinnen erzählte uns von der Zeit der Verfolgung und über die Geschichte dieser Kirche. Die Biografie von Schwester Maria Tuci durfte natürlich nicht fehlen. Sie war eine mutige und starke Frau, die immer zu ihrem Glauben gestanden ist, obwohl sie dafür festgenommen, gefoltert und schlussendlich mit nur 23 Jahren getötet würde. 2016 wurde Maria Tuci selig gesprochen, zusammen mit 38 anderen Märtyrern. Zum Abschluss wünschte uns die Schwester, dass sich unsere Träume erfüllen und wir in Frieden leben können. Zuletzt besuchten wir an diesem Montag eine Wohngruppe von schwerst geistig behinderten Menschen. Die Fürsorge solcher Menschen wird stark vernachlässigt, weil einfach die finanziellen Mittel fehlen. Dieser Besuch berührte uns sehr, weil auf 17 Insassen nur 4 Betreuungspersonen kommen und diese Menschen nicht gefördert und in ihren Möglichkeiten gefordert werden. Nach diesem eindrucksvollem Tag rundete ein sehr feines Abendessen diesen unvergesslichen Tag ab.

Dienstag, 30. April: Am Dienstag Morgen mussten wir früh aufstehen, um uns mit Pater Andreas Waltermann zu treffen, er gehört einem Kapuzinerorden an. Wir fuhren 2 1/2 Stunden nach Fushe Arrez. Als wir dort ankamen durften wir mit anderen Gästen frühstücken. Ordensschwester Grazias ist schon 78 Jahre alt und jeden Tag im Einsatz für die Ärmsten, sie arbeitet mit Pater Andreas zusammen. Wir fuhren auf holprigen Strassen zu verschiedenen Kirchen. Die Kirche in Lumardh war sehr speziell, da sie vom Kommunismus umfunktioniert wurde und später abbrannte. Wir wurden Zeugen von etlichen Gegenstände, die sich wieder in dieser Kirche befinden. Mutige Menschen haben sie in der Zeit des Kommunismus bei sich zuhause versteckt gehabt. Eine Kirchenglocke wurde damals in der Mauer einbetoniert und unter dem Bett wurde der Fußboden aufgerissen um sakrale Gegenstände zu sichern. Nachdem Kommunismus konnten sie die versteckten Gegenstände wieder der Kirche zurückgeben, dies war sehr berührend zu sehen. Die kommunistische Zeit war sehr schwer für die Leute in Albanien, denn sie konnten ihren Glauben nur versteckt ausleben, schon für einen Rosenkranz in der Tasche, wurde man ermordet. Trotz allem ließen sich die Menschen ihre Religion nicht nehmen und trafen sie sich heimlich in der Nacht im Wald zum Beten. Nach dem Kirchenbesuch gingen wir wieder in das Pfarreihaus und durften mit ihnen die grosszügigen Speisen kosten. Nachdem Mittagessen gingen wir in die Jugendherberge, wo Pater Andreas Waltermann Jugendliche im Alter von 14 bis 25 Jahren betreut und mit ihnen viel unternimmt. Beispielsweise müssen die Jungs abwaschen, putzen und Sachen erledigen, die sie zu Hause nicht erledigen müssen, da Albanien bis heute sehr traditionelle Rollenbilder hat und Jungs zuhause nichts tun müssen. Danach gingen wir in das Pfarreizentrum, um uns mit zwei einheimischen Firmanden zu treffen und den Firmweg und Lebensstil mit uns zu vergleichen. Wir bedankten uns herzlich bei den Firmlingen, aber auch bei Pater Andreas für die Gastfreundschaft. Zusammen mit unserem Chauffeur und unserer Reiseführerin Majlinda gingen wir zurück zu unserer Pension. Das Abendessen war sehr vielseitig und wir konnten viele albanische Spezialitäten kosten. Unser überaus großzügiger Gastgeber Fabrizio hat uns auch eine sehr liebevolle Geste gemacht, indem er uns traditionelle Tücher zum Abschluss schenkte. In einer albanische Bar, im 15. Stockwerk, wo sich das Restaurant drehte, ließen wir bei angeregten Gesprächen über die Zeit in Albanien, den vollen und intensiven Tag ausklingen.

Mittwoch, 1. Mai: Mit unserem gesamten Gepäck fuhren wir mit einem Kleinwagen, in den Staat Montenegro. Dort angekommen wurden wir bereits von unserer Reiseleiterin Marina erwartet. Gleich zu Beginn zeigte sie uns einer der ältesten Olivenbäume in Europa, er ist 2240 Jahre alt. Anschliessend nahm sie uns auf eine Wanderung durch die unberührte Natur Montenegros mit. Nach der Wanderung über Stock und Stein haben wir viele Pflanzen, Kräuter gesehen, welche wir kennen, jedoch nicht von der freien Natur her. In der Altstadt von Bar angekommen, erkundigten wir die Burg, die die Stadt vollkommen umgibt. Nach der Mittagspause besuchten wir Filip. Er ist ein Olivenöl Produzent, hat 60 Bäume, die er sein Eigen nennt. Ebenso stellt er verschiedene Souvenirs, wie z.B. Schlüsselanhänger, Bilder oder Kreuze aus Olivenbaumholz her. Mit Feuer und Flamme (so lautet auch das diesjährige Firmmotto) berichtet er uns über sein Unternehmen, bei Kaffee und selbst gebackenen Apfelstrudel. Auf dem Weg nach Virpazar hielten wir noch kurz in der Hafenstadt Bar an, um über die Promenade zu flanieren und das Schloss zu besichtigen. In Virpazar angekommen, haben wir unsere neue Unterkunft für die restlichen Tage bezogen.

Donnerstag, 2. Mai: Mit dem Sonnenaufgang über dem Skuterisee wurden wir in unserer Unterkunft geweckt. Anschliessend fuhren uns auf einen Aussichtspunkt, bei dem wir über den ganzen See blicken konnten. Nach einer idyllischen Wanderung erreichten wir einen Seitenarm des Sees und wurden von einem kleinen Holzboot empfangen. Auf dem Seeweg zu einer einheimischen Familie Radmila und Vesco entdeckten wir das einfache Leben auf dem Land. Sie tischten uns ein leckeres Fischgericht auf, aus frischen Fischen aus dem Skuterisee. Wieder auf dem Boot angelangt, fuhren wir zurück nach Virpazar, unserem Standort. Am späten Nachmittag, besuchten wir die bekannte Küstenstadt Kotor. Kotor, das einzige Kulturdenkmal der UNESCO in Montenegro, gilt als eine der schönsten Städte des Landes. Sie liegt in einer Bucht in der Nähe des Gebirgsmassivs Lovćen und seiner Kalksteinklippen. Die mittelalterliche Altstadt zeichnet sich durch ihre verwinkelten Strassen und Plätze aus und beherbergt mehrere romanische Kirchen, wie etwa die Sankt-Tryphon-Kathedrale.

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