Bezirkswallfahrt

Viele Menschen pilgern jährlich zur Muttergottes ins Kloster Einsiedeln, entzünden eine Kerze, beten und bitten für ein persönliches Anliegen oder für die Welt. Und so machen es auch die Einsiedler, fahren dafür aber an einen anderen besonderen Ort: nach Sachseln und Flüeli zu Bruder Klaus und Dorothea. So bestiegen am Mittwoch, 4. Juli, in der Früh etwa 250 Personen aus Dorf und Viertel die fünf auf dem Parkplatz Brüel bereitstehenden Cars und fuhren Richtung Luzern. Die Bezirkswallfahrt fand bereits zum 72. Mal statt.

Die Wetterprognosen schienen nicht ganz beständig, mit einem Gewitter musste gerechnet werden. Nichtsdestotrotz fuhren die Einsiedler Pilger um sieben Uhr ab dem Brüelparkplatz los. Im ersten Car fuhren die Bevölkerung und Vertreter des Bezirksrates sowie Mitglieder des Kirchenrates beziehungsweise der Kirchgenossenräte aus den Vierteln. Drei Cars waren gefüllt mit Erstkommunionkindern und ihren Begleitpersonen aus Dorf und Viertel und ein kleinerer Car transportierte die 23 angemeldeten Ministrantinnen und Ministranten. Alle waren zu dieser eindrücklichen Reise zu Bruder Klaus und Dorothea in den Kanton Obwalden willkommen. Und für viele Einsiedler scheint dieser Tag, immer der letzte Mittwoch vor den Sommerferien, einer nicht wegzudenkenden Tradition anzugehören.

Nach knapp anderthalbstündiger Fahrt via Luzern erreichte man Sachseln. Schon begann es zu tröpfeln, doch das Wetter hielt dann bis am Nachmittag. Um 9 Uhr fand der Gottesdienst in der Kirche statt. Auch die Bennauer Organistin Heidi Sangiorgio war eigens mitgereist, um den Gottesdienst musikalisch mitzugestalten. Der Einzug fand mit den Erstkommunionkindern, den Behördenmitgliedern und allen Seelsorgenden statt. Eine neue Standeskerze mit den Wappen von Dorf und den sechs Vierteln wurde hineingetragen und angezündet.

Anstelle des Lesungstextes wurden die Geschichte "Frieden spielen" von Hoffsümmer und aus dem Matthäus-Evangelium die Seligpreisungen vorgelesen. So ging der Festprediger Pater Klaus Renggli, Franziskaner, seit vielen Jahren im Flüeli lebend, in seiner Predigt im Besonderen auf Bruder Klaus als den Friedensapostel ein und regte die Gottesdienstbesucher an, darüber nachzudenken, wo sie selbst etwas zum Frieden beitragen können. Er verstand es, in guter Sprache auf die Kinder einzugehen, sodass sich aber trotzdem auch die Erwachsenen angesprochen fühlten. Er erzählte von Bruder Klaus, der als Vorbild Jesus genommen und der immer auf Gewalt verzichtet hatte, denn Gewalt sei keine Lösung. Zusammenfassend meinte Pater Klaus, dass es wichtig sei, auf Jesus und seine Botschaft zu hören, wie auch auf den Menschen gegenüber. So entstehe Friede.

Loslassen, nach innen gehen
Wie jedes Jahr wurden von sieben Erstkommunionkindern aus dem Dorf und den Vierteln kleine Kerzen auf dem Altar angezündet, um sie dann am Abend heimzunehmen, diese in der Jugendkirche und den anderen Kirchen und Kapellen aufzustellen und anzuzünden - ein schönes Zeichen des Friedens, der von Bruder Klaus mit heimgebracht werden soll.

Nach dem Gottesdienst wanderten die Erstkommunionkinder mit ihren Begleitpersonen hoch ins Flüeli. Für sie waren auf dem Visionenweg des Bruder Klaus Stationen ausgelegt worden, seinem Denken, Leben und Handeln näher zu kommen. Wie er etwa als Kind und Jugendlicher war, seine Arbeit auf dem Bauernhof seiner Eltern, seine grosse Tierliebe und sein Familienleben mit Dorothea und den zehn Kindern. Sie, die bei diesem grossen Heiligen eine sehr zentrale Rolle gespielt hatte und ihren Mann gehen liess, um seiner Berufung zu folgen. An einem der Posten durften die Kinder gedörrte Birnenschnitze essen, so wie sie Bruder Klaus schon damals sehr gemocht hatte. Er, der während der letzten Jahre seiner Lebens letztendlich nur noch von der Kommunion gelebt hatte.

Einige der Erwachsenen marschierten einen anderen Weg nach oben, betend, im Gespräch oder ganz in der Stille. Nach dem Mittagessen hielt Pater Klaus Renggli auf dem Andachtsplatz eine Ansprache zum Thema: "Lassen, Loslassen, nach innen gehen und sich führen lassen" und verwies damit auf die mystische Seite unseres Landesheiligen, der gar nicht anders konnte, als seine Familie zu verlassen - auch wenn uns dies heute schwer anmuten möchte. Als Politiker hatte er so viel Ungerechtigkeit erlebt, selbst viele Kriege mitgemacht und auch unzählige Missstände in der Kirche wahrgenommen, dass er sich schlichtweg einsetzen musste. Er sei stets ein Suchender und nicht ein Mann in der "Midlife Crisis" gewesen, betone Pater Klaus. Und es sei auch kein Davonlaufen seinerseits gewesen, sondern ein Suchen nach dem letzten Sinn, nach der geistigen Welt, nach der Erkenntnis Gottes - nach der Einheit mit Gott. Und dafür musste Bruder Klaus sich führen lassen, um nicht sich selbst, sondern Gott zu finden. Und es sei nicht nur sein eigenes Bauchgefühl gewesen, sondern der Geist Gottes, der ihn geleitet hatte, um ihn nach längerer Suche im Ranft unten ankommen zu lassen. Dieses Ankommen sei kein Egotrip gewesen, betonte der Redner wieder stark, sondern im Ranft hatte er den Ort der Stille und der Kraft gefunden und seine ganz persönliche Beziehung zu Gott aufbauen und daraufhin viele Jahre lang für die Menschen als Ratgeber und Friedensstifter zu stehen können.
 
Im Ranft, am Ort des Geschehens
Für die Erstkommunionkinder begann der Nachmittag ebenfalls mit einer kurzen Andacht in der Ranftkapelle und anschliessend durften sie verschiedene Ateliers besuchen: Die Klause des Bruder Klaus besuchen und eine Kerze anzünden, eine Postkarte verschicken, das Wohnhaus besichtigen, eine Steinmeditation erleben, einen kleinen Rosenkranz oder ein Freundschaftsbändeli knüpfen. Wieder wurden die Ateliers rege besucht, obwohl alles ganz freiwillig war und man auch einfach gemütlich eine Glace geniessen konnte - den meisten reichte die Zeit für beides. Die Wallfahrt möchte besonders für die Erstkommunionkinder ein geschenkter Tag sein. Und ganz gewiss für alle Pilgerinnen und Pilger ein Tag zum Innehalten, Nachdenken, Danken, Beten und Bitten.

Text: Franziska Keller

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